Alternativ mal fleischlos


Entstehung und Motive vegetarisch zu essen

Der Vegetarismus entstand unabhängig voneinander auf zwei Kontinenten. Im 8. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich in Nordindien der religiöse Vegetarismus. Im 6. Jahrhundert wurde der ethische Vegetarismus von dem Philosoph Pythagoras im antiken Griechenland begründet (Leitzmann, Keller 2013: 39).

Über die Jahrhunderte hinweg entwickelten sich der Vegetarismus, auch durch das aktive Vorleben vieler berühmter Persönlichkeiten wie etwa Leonardo da Vinci, Voltaire und später Albert Einstein oder Mahatma Gandhi von einer der (sozialen) Unerwünschtheit weitgehend unterlegenden Abnormität hin zu einer heute in der Gesellschaft akzeptierten Ernährungsform. Wurden Vegetarier früher als kränklich, unterernährt und als „Grünzeugesser“ verunglimpft, findet diese Ernährungsform inzwischen mehr und mehr Anerkennung und Anhänger. Nach Einschätzungen des VEBU sind es ca. 8% der Bevölkerung, also 6 Mio. Menschen, die vegetarisch leben. Die Nationale Verzehrstudie von 2005 bis 2006 kam bei ihrer Befragung jedoch nur auf 1,6%. Hier ergeben sich durchaus noch widersprüchliche Ergebnisse. (Leitzmann, Keller 2013: 19)

Zum Vegetarismus zu „konvertieren“ heißt nicht automatisch, von heute auf morgen das Fleisch komplett vom Speiseplan zu streichen. Bei vielen ist dieser Vorgang mit einem langen Denkprozess verbunden. Wie die vegetarische Lebensweise am Ende praktiziert wird hängt von den Motiven und Zielen der einzelnen Personen ab. Diese Motive können sich im Laufe des Lebens verändern oder gegenseitig bedingen. Ein Mensch kann sich aus überwiegend ethischen Überzeugungen dazu entschlossen haben, vegetarisch zu leben und hat möglicherweise im Laufe der Zeit festgestellt, dass es sich durchaus auch zuträglich auf seinen Gesundheitszustand auswirkt.

Insgesamt können drei große Motivbereiche unterschieden werden:

  • Die Ethik bzw. moralische Gründe
    Viele empfinden es als ungerecht und ethisch nicht korrekt, die Vermehrung der Tiere alleine der Existenz des Menschen wegen voranzutreiben, sie in Massen zu halten und nach dem Laufbandprinzip zu schlachten. Sie empfinden Mitgefühl mit ihnen und stellen die Tiere auf gleiche Stufe mit dem Menschen. Tiere haben ebenso das Recht auf ein Leben in Unversehrtheit wie der Mensch.
     
  • Die Gesundheit
    Die vegetarische Kost kann dazu beitragen, bestimmte Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen oder ihre Heilung beziehungsweise eine Körpergewichtsabnahme herbeizuführen. Darüber hinaus wird von einer Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit ausgegangen. Viele begründen ihren Entschluss vegetarisch zu leben auch in den in letzter Zeit gehäuft vorgekommenen Lebensmittelskandalen.
     
  • Die Ökologie
    Der überwiegend pflanzliche Verzehr trägt zum allgemeinen Klimaschutz bei, da dadurch die durch Massentierhaltung bedingten Umweltbelastungen eingeschränkt werden können.

Diese drei Motivebereiche lassen sich noch ergänzen durch ästhetische, geschmackliche und kosmetische, spirituelle, politische oder soziale Gründe.

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