Fleischverzehr & Gesundheit


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Pflanzenesser im Vorteil: Die Bedeutung tierischer und pflanzlicher Proteine für die Gesundheit

Hintergrund
Es ist wichtig, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Doch wie ernährt man sich eigentlich gesund? Zu einer gesunden Ernährung zählt viel Obst und Gemüse, klar. Außerdem ist unter anderem auch der Verzehr einer ausreichenden Tagesmenge von Proteinen wichtig, da sie im menschlichen Organismus viele lebenswichtige Funktionen übernehmen. Dazu gehören zum Beispiel die Abwehr von Infektionen, die Regulation der Stoffwechselvorgänge und die Aufnahme und Weiterleitung von Reizen. Schön und gut! Aber gibt es abgesehen davon „bessere“ und „schlechtere“ Proteine?

Die Bedeutung von Proteinen für die menschliche Gesundheit ist Thema einer am 1. August 2016 im renommierten Fachmagazin „JAMA Internal Medicine“ veröffentlichten Studie, die seither international sehr gewürdigt wird. Song et al. (2016) untersuchten den Zusammenhang zwischen der Aufnahme tierischer Proteine gegenüber pflanzlichen Proteinen in Bezug auf die Sterblichkeit.

Methodik
Die Studie setzt sich aus zwei Kohorten zusammen, die über einen Gesamtzeitraum von 32 Jahren regelmäßig befragt und untersucht wurden. Es waren insgesamt 131.342 Personen der US-amerikanischen „Nurses‘ Health Study“ (NHS) und der „Health Professionals Follow-up Study“ (HPFS) einbezogen. Davon waren 85.013 weibliche Studienteilnehmer der NHS und 46.329 männliche Pflegekräfte der HPFS. Personen, die an einer kardiovaskulären Krankheit, Krebs oder Diabetes mellitus erkrankt waren, wurden zuvor von der Studie ausgeschlossen. Das Durchschnittsalter der Studienpopulation lag bei 49 Jahren. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer mussten alle 2 Jahre einen standardisierten Fragebogen zu ihren Lebensstilen ausfüllen und Antworten auf medizinische Fragen geben. Zusätzlich wurden alle 4 Jahre mit Hilfe des „food frequency questionaires (FFQs)“ detailliert über deren Lebensmittelverzehr geforscht. Der Auswertungszeitraum dauerte von Juni 2014 bis Januar 2016 (Song et al. 2016).

Ergebnisse
In den zwei untersuchten Kohorten befanden sich 64,7 % Frauen und 35,3 % Männer. Unter ihnen wurden im Durchschnitt zu 14 % tierische und nur zu 4 % pflanzliche Proteine konsumiert. Nachdem die wichtigsten Lebensstilfaktoren und ernährungsbedingten Risikofaktoren ausgewertet wurden, zeigte sich, dass Personen, die häufig tierische Proteine zu sich nehmen, ein erhöhtes Risiko in Bezug auf die Sterblichkeit hatten (HR 1.08 pro 10 % Energieanteil, 95% CI, 1.01-1.16) als Personen, die häufig pflanzliche Proteine konsumieren (HR 0.90 pro 3 % Energieanteil, 95% CI, 0.86-0.95). Der positive Zusammenhang in der Gruppe der Esser von vermehrtem tierischem Protein sowie der negative Zusammenhang bei den „Pflanzenessern“ war nur bei Personen nachzuweisen, die zusätzlich mindestens einen ungesunden Lebensstilfaktor wie das Rauchen, Übergewicht oder das konsumieren von Alkohol hatten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Personen, die häufig tierische Proteine zu sich nahmen und zusätzlich vermehrt Alkohol konsumierten, rauchten oder übergewichtig waren, ein höheres Sterberisiko tragen, während der vermehrte Verzehr pflanzlicher Eiweiße in derselben Gruppe mit einem geringeren Sterberisiko assoziiert war.

In den zwei untersuchten Kohorten starben im Verlauf der Studie 36.115 Personen. Davon starben 8.851 an einer kardiovaskulären Erkrankung, 13.159 an Krebs und 14.105 aus anderen Gründen (Song et al 2016).

Einschränkungen
Die Studie konnte belegen, dass Personen die viele tierische Proteine zu sich nehmen, ein höheres Risiko haben früher zu sterben als Personen die mehr pflanzliche Proteine konsumieren. Jedoch konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Proteine der Grund für das höhere Sterberisiko in der Gruppe der Personen, mit höherem Verzehr an tierischen Eiweißen sind.

Schlussfolgerung
Generell lässt sich sagen, dass Menschen, die viele pflanzliche Proteine zu sich nehmen, eine geringere Wahrscheinlichkeit haben, vorzeitig zu versterben. Von der positiven Wirkung solcher Proteine profitieren der Studie zufolge insbesondere Personen, die ansonsten einen eher ungesunden Lebensstil praktizieren wie beispielsweise Personen, die viel Rauchen, Alkohol konsumieren oder keinen Sport treiben. Da die Studie nicht belegen konnte, dass die pflanzlichen Proteine der Grund für die positiven Effekten sind, unterstreichen die Studienergebnisse zwar den gesundheitlichen Nutzen einer überwiegend vegetarischen Ernährung, aber eine einseitige Argumentation für mehr pflanzliche Proteine in der Nahrung stützt die Studie allerdings nicht.

 

 

 

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