Alternativ mal fleischlos


Vegetarische Ernährung in den verschiedenen Lebensphasen

Ist der Mensch der geborene Fleischesser? Vor 50 Mio. Jahren lebten unsere Vorfahren keineswegs von Fleisch, sondern überwiegend von pflanzlicher Kost und Insekten. Die tägliche Nahrungsauswahl wurde weitestgehend durch das Klima bestimmt. Erst im Ackerbauzeitalter erhöhte sich die pflanzliche und mit dem Beginn der Haus- und Nutztierhaltung auch die tierische Nahrungszufuhr.

Vegetarier und Veganer haben trotz des Verzichts bestimmter Nahrungsmittel eine breite Auswahl an Lebensmitteln, die sie konsumieren dürfen. Als Orientierungshilfe wurde von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine spezielle Ernährungspyramide entwickelt. Grundlage dieser Ernährungspyramide bilden Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, gefolgt von Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen, pflanzlichen Fetten und optimaler Weise auch Eiern und Milchprodukten. Darüber hinaus sollten täglich ein bis zwei Liter Wasser getrunken werden. Süßigkeiten, Snacks und Alkohol sind, genau wie auch in der herkömmlichen Ernährungspyramide erlaubt, sie sollten aber nur in geringen Maßen gegessen werden (Leitzmann, Keller 2013: 318; Leitzmann, Keller 2011: 24ff.).

Auf die Frage, ob denn nun eine vegetarische Ernährung auch im Kindesalter mit gutem Gewissen praktiziert werden kann, empfiehlt die DGE: Eine ausgewogene ovo-lakto-vegetarische Ernährung kann sowohl bei Eltern als auch bei Kindern als Dauerkost empfohlen werden. Es käme hierbei jedoch auf die Form der vegetarischen Ernährung an. Eine ganz und gar vegane Ernährungsform sollte speziell im Kindes-und Jugendalter nicht bevorzugt werden. Dies gilt für alle Lebensphasen, die durch einen erhöhten Nährstoffbedarf gekennzeichnet sind. Dazu gehören auch Schwangerschaft, Stillzeit Jugend und Alter. So kann bei Kleinkindern durchaus eine ovo-lakto-vegetarische Beikost gefüttert werden. Bei vegan ernährten Kindern und Säuglingen kann es jedoch zu einer unzureichenden Zufuhr von Protein, Eisen, Calcium, Jod, Zink, Vitamin B2, B12 und Vitamin D kommen. Bedingt durch das Wachstum und den geringen Nährstoffspeicher steigt dabei das Risiko für Nährstoffmangelzustände. Daher ist ein spezieller Kenntnisstand über Lebensmittelwert und -zubereitung und die Sicherstellung der Versorgung durch angereicherte Nahrungsmittel oder Supplemente erforderlich (Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 2011).

Zu Versorgungsproblemen kann es folglich nur bei Personen mit erhöhtem Nährstoffbedarf kommen. Auch bei Störungen der Nährstoffaufnahme, bei Erkrankungen, Operationen, Stress oder der Einnahme von Medikamenten ist der Nährstoffbedarf erhöht. Kritische Nährstoffe sind bei Vegetariern vor allem Eisen, Jod, Vitamin D, Zink und Omega-3-Fettsäuren. Bei Veganern sind es zusätzlich noch Vitamin B12, Kalzium und Vitamin B2 (Leitzmann, Keller 2013: 220).

Ein Mangel an Nährstoffen wie Vitamin D, Jod und Eisen sowie Kalzium ist jedoch auch in der Durchschnittsbevölkerung weit verbreitet und kein Phänomen, dass ausschließlich auf den Vegetarismus zurückgeführt werden kann.

Stellen Vegetarier also ihren Speiseplan vielseitig, abwechslungsreich und nach den Grundsätzen der Ernährungspyramide zusammen, kann sichergestellt werden, dass sie ihre täglich benötigte Energiezufuhr in ausreichender Menge erhalten. Der Mythos der zwangsläufig beim Vegetarismus entstehenden Mangelernährung ist daher ein weit verbreiteter und vorschnell angenommener Trugschluss.

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